Literaturnobelpreis für die Rumänien-Deutsche Herta Müller PDF Print
Tuesday, 13 October 2009 10:40
Laut der Ankündigung des ständigen Sekretärs des Nobelkomitees, wurde der Nobelpreis für Literatur 2009 der im rumänischen Niţchidorf geborenen deutschen Schriftstellerin Herta Müller verliehen, die „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet“. Der 2009 veröffentlichte Roman „Atemschaukel“ stellt das Exildasein der deutschsprachigen Rumänen in der Sowjetunion dar und wurde auch für den Deutschen Buchpreis in diesem Jahr nominiert, wobei es auch als Favorit dafür gilt. Tochter einer in 1945 in der heutigen Ukraine deportierte Deutsch-Rumänin, studierte Müller in den 70er Jahren in Timişoara deutsche und rumänische Literatur. Als Studentin war sie Mitglied der Aktionsgruppe Banat, innerhalb welcher mehrere deutschsprachige Autoren ihre Opposition zum Tyrannen Nicolae Ceauşescu ausdrückten und sich für Meinungsfreiheit einsetzten. Wegen ihrer Kritik an die Ceauşescu-Regierung und ihrer Verweigerung, Informantin der Geheimpolizei zu werden, konnte sie nicht mehr ihren Beruf als Schriftstellerin und Übersetzerin weiterführen und bekam auch einen Publikationsverbot. Aus diesen Gründen wanderte Herta Müller 1987 nach Deutschland aus. Heutzutage lebt die Schriftstellerin in Berlin. Die Reaktionen auf die Wahl des Nobelkomitees waren verschieden. Der Bundespräsident Horst Köhler vertritt zum Beispiel die Meinung, dass es eine besonders glückliche Fügung sei, dass Herta Müller gerade in diesem Jahr den Preis erhalten hat, in dem man sich an das Ende der Diktaturen in Osteuropa vor zwanzig Jahren erinnert. "Ihre Literatur ist geprägt von den Erfahrungen, die Sie selber in Rumänien mit der kommunistischen Diktatur gemacht haben. Sie haben immer wieder detailliert und ergreifend geschildert, was ein Unrechtssystem in den Herzen und Seelen der Menschen anrichtet", so der deutsche Bundespräsident in seinem Glückwunschschreiben an die Preisträgerin. Auch der französische Außenminister Bernard Kouchner würdigte die neue Literaturnobelgewinnerin als mutige Kämpferin gegen den Totalitarismus. Die Freude war auch in Rumänien sehr groß, wo man sich seit Jahren einen Nobelpreisträger wünscht. Gemäß Andrei Pleşu, rumänischer Philosoph und Kunsthistoriker, können sich die Rumänen endlich beruhigen: „Herta Müller ist zwar eine deutsche Schriftstellerin, aber sie stammt aus Rumänien, und ihre Werke enthalten ein Stück rumänische und osteuropäische Geschichte“. In den Vereinigten Staaten waren dagegen die Reaktionen eher zurückhaltend, wo die Zeitschrift Entertainment Weekly als Titel „Herta who?“ für diese Nachricht auswählte. Gleichzeitig wies New York Times darauf hin, dass nur vier von Müllers Büchern bisher ins Englische übersetzt wurden. Auch für Herta Müller war es schwer, ihren Erfolg zu fassen: "Es ist noch nicht in meinen Kopf angekommen", meinte sie kurz nach der Bekanntmachung des Gewinners. Herta Müller wird damit die zwölfte Frau in der Geschichte des Nobelpreises, die den Literaturnobelpreis gewinnt. (Evenimentul Zilei, 10.10.2009, DW-World.de, 9.10.2009, Wikinews, 8.10.2009)